RENTE MIT 67 – politische Notwendigkeit oder verdeckte Rentenkürzung?
Wen sie wie hart trifft und wie wichtig jetzt private Altersvorsorge ist.
Es ist amtlich: Die Deutschen werden immer älter und müssen entweder länger arbeiten oder in Zukunft mit weniger Rente auskommen. Im März 2007 stimmte der Bundestag mehrheitlich dem Gesetzentwurf des Reizthemas „Rente mit 67“ zu. Schlagwörter wie Überalterung und Altersarmut fallen immer häufiger. Wer seinen gewohnten Lebensstandard halten möchte, muss privat vorsorgen.
Nicht jeder muss länger buckeln
Nicht alle müssen Rentenabschläge hinnehmen: Wer 45 Beitragsjahre vorweisen kann oder 1946 und eher geboren wurde, bleibt von den neuen Regelungen verschont. Doch bisher erreichen nur 28 Prozent der arbeitenden Männer und vier Prozent der beschäftigten Frauen die erforderlichen 45 Versichertenjahre. Neu ist, dass sich der Rentenzugang zukünftig aus Beschäftigung, Kindererziehung und Pflege zusammensetzt. Lediglich 33 Prozent der Männern und elf Prozent der Frauen erfüllen diese Voraussetzung. Ein Beispiel: Eine Frau mit zwei Kindern, die zudem 25 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, kann mit 65 ohne Abschläge in den Ruhestand gehen.
Jahrgang |
neues Renteneintrittsalter |
Rente im Jahr |
1946 |
65 Jahre |
2011 |
1947 |
65 Jahre + 1 Monat |
2012 |
1951 |
65 Jahre + 5 Monate |
2016 |
1955 |
65 Jahre + 9 Monate |
2020 |
1957 |
65 Jahre + 11 Monate |
2022 |
1958 |
66 Jahre |
2023 |
1959 |
66 Jahre + 2 Monate |
2024 |
1962 |
66 Jahre + 8 Monate |
2027 |
ab 1964 |
67 Jahre |
2029 |
Die Rente mit 67 wird jedoch erst 2029 für die nach den 1. Januar 1964 Geborenen Realität. Wer dann früher in Rente gehen möchte, muss Abschläge hinnehmen. Für jeden Monat weniger Arbeit werden 0,3 Prozent der Rente gekürzt. Möchte ein Dachdecker nach 40 Jahren körperlicher Arbeit in den Ruhestand wechseln, erhält er immerhin 18 Prozent weniger Rente.
Rente mit 67 – an der Arbeitsrealität vorbei?
Fest steht allerdings: Wenn Personalchefs weiterhin die Bewerbungsmappen älterer Bewerber gar nicht erst aufklappen, müssen viele Bürger bei Rentenbeginn hohe Abschläge befürchten. Zunächst muss etwas getan werden, damit ältere Arbeitnehmer überhaupt länger in den Betrieben bleiben, sonst ist die Rente mit 67 eine faktische Rentenkürzung. Fakt ist: Derzeit arbeiten nur 45 Prozent der Generation 50plus.
Auf die hohe Kante: Keine Sorgen im Alter dank guter Vorsorge
Immer weniger Erwerbstätige müssen zukünftig für immer mehr Rentner aufkommen. Akzeptable Lösungen bietet die Politik bisher selten. Soll nun das reale Rentenniveau gesenkt werden oder die Beiträge zur Rentenversicherung steigen? Diese Vorschläge benachteiligen die zukünftigen Generationen. Was also tun? Werden Sie selbst aktiv und sorgen Sie privat für Ihre Zukunft im Alter vor. Experten helfen Ihnen, das passende Altersvorsorgepaket zu finden. Wenn Sie risikobereiter sind, investieren Sie in Fonds, die Ihnen bei entsprechender Marktentwicklung höhere Renditen einbringen. Sofern Sie sichergehen wollen, dann sollten Sie in festverzinsliche Papiere investieren. Besonders attraktiv sind Riesterprodukte wegen ihrer staatlichen Förderung. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie Hartz IV geschützt sind. Deshalb nutzt die Riesterrente speziell Familien mit Kindern mit niedrigen Einkommen. Von Nachteil ist, dass Sie erst im Alter über die Rente verfügen und diese auch versteuern müssen. Eine weitere Option sind die vom Arbeitgeber bezuschussten Betriebsrenten. Darüber hinaus bietet sich die Rürup-Rente als private Altersvorsorge für Selbstständige an. Ähnlich der staatlichen Rente, finanziert sie sich über Beiträge und der Begünstigte erhält eine monatliche Auszahlung, die er jedoch versteuern muss.
Der Zinseszins-Effekt
Doch egal, für welches Produkt man sich letztlich entscheidet, das Wichtigste dabei ist: Früh genug an später denken. Eine Beispielrechnung verdeutlicht dies. Wer mit 40 beginnt, bis zur Rente jeden Monat gerade einmal 50 Euro zu einem Zinssatz von fünf Prozent anzulegen, der darf sich bei Rentenbeginn über ein Guthaben von mehr als 34.000 Euro freuen. Gut die Hälfte davon sind Zinserträge. Beginnt man aber bereits fünf Jahre eher mit der Vorsorge, dann zahlt man zwar 3000 Euro mehr ein, hat aber bei Rentenbeginn satte 13.000 Euro dazu gewonnen. Der Zinseszins-Effekt macht’s möglich.